Vezo – Struggling with the sea – Die mit dem Meer ringen

Just like ghosts, the wraithlike figures are moving through the fog that dampens or fully absorbs few shouts and the noises of the nearby town. The beach, the sea, everything is grey, and the boats that are moving in and out the belt of fog are of dark grey. Such fog is very common along Madagascar´s west coast, and without it, the area between Mahajanga up north and Toliara down south would probably be a desert. It is the fog that supplies the sparse vegetation of dry or spiny forest, shrubs and baobab trees with life-giving moisture in an otherwise dry region with very little rain.

Wie Geister bewegen sich schemenhafte Gestalten durch den Nebel, der die vereinzelten Rufe dämpft oder ganz verschluckt. Der Strand, das Meer, alles ist grau, und dunkelgrau tauchen Boote vor der Küste aus dem Nebel auf, der im Westen Madagaskars häufig ist, und verschwinden ebenso schnell wieder darin. Ohne den Nebel, der der kargen Vegetation aus Trocken- oder Dornenwald, Buschland und Baobabs die Leben spendende Feuchtigkeit bringt – in einer Gegend, in der Regen äußerst selten ist, wäre die Region zwischen Toliara im Süden und Mahajanga im Norden vermutlich eine Wüste.

The people on the beach don´t care about the interior. They belong to the Vezo people, an ethnic group of nautic nomads living along that stretch of coast. Like centuries ago, they move up and down Mozambique Channel in their slender pirogues, fishing and hauling goods to remote villages. Likewise are the beaches on which they pitch their camps, and the wind dictates the pace of every journey. They are independent, proud and have their own Malagasy dialect, which harks back to Volan´ny onjatsy, a Malayo-Polynesian language enriched with Arabic and African as well as Indian elements. Vezo means “Those, who are fishing”, but it can also mean “Those, who are struggling with the sea”. On this particular morning, innumerable Vezo families have come to the beach of Nosy Kely, a peninsula on the southern tip of the city of Morondava. In some distance to each other, they are waiting for the elegant pirogues crossing only a hundred metres offshore to bring in the lines of the nets that had been cast into the water the day before.

Doch das Hinterland kümmert die Menschen am Strand und auf dem Meer wenig. Sie gehören den Vezo an, einem Volk von Seenomaden, die entlang der Küste eben jener Region leben. Mit ihren Pirogen ziehen viele von ihnen noch immer wie seit Jahrhunderten die Straße von Mosambik entlang, fischen und transportieren Waren zu den abgelegenen Dörfern. An entfernten Stränden schlagen sie ihre Lager auf, und der Wind bestimmt das Tempo einer jeden Fahrt. Sie sind unabhängig, stolz, und der Dialekt der madegassischen Sprache Malagasy, den sie sprechen, geht vermutlich auf eine eigene Sprache, das Volan´ny onjatsy zurück, eine malayo-polynesische Sprache, die durch arabische, afrikanische sowie indische Elemente angereichert wurde. Vezo bedeutet „Die, die fischen“, kann aber auch „Die mit dem Meer ringen“ meinen. An diesem Morgen am Strand von Nosy Kely, einer Halbinsel, die zu Morondava an der Westküste Madagaskars gehört, haben sich zahllose Vezo-Familien versammelt. In einiger Entfernung zueinander warten sie auf die grazilen Ausleger-Pirogen, die nur etwa 100 Meter vor der Küste kreuzen. Am Vortag waren die Netze gestellt worden, deren Leinen die Männer und Frauen auf den Booten nun einholen und zum Strand bringen.

Then, pulling is the name of the game, no matter if women or men. Inequality ain´t an issue because they can´t afford such thinking. Every hand is needed to pull in the nets, even though the catch is decreasing day by day. It´s rare that the Vezo have bigger fish in their nets, and it´s out of question that international, industrial overfishing in the Mozambique Channel is quite an issue. The problem is forcing Vezo people with increasing frequency to sail long distances and far out into the open sea, which is a dangerous thing to do in the waters of Mozambique Channel. More and more frequently, they leave the fairly save shores protected by huge reefs along the coast to hunt for sharks, collect sea cucumbers or – just for diversion – to drive a group of dolphins into some bay before clubbing them to death for the Chinese market. Globalized capitalism has by now arrived in the Vezo´s world. The younger are already searching for other means of income and settle. Most of Morondava´s residents are Vezo nowadays.

Dann heißt es: ziehen mit vereinten Kräften. Unterschiede zwischen Männern und Frauen werden nicht gemacht. Das können sich die Vezo nicht leisten. Denn um die großen Netze mit dem Fang einer ganzen Nacht einzuholen, braucht es jede Hand, auch wenn die Ausbeute kontinuierlich abnimmt. Nur selten gehen den Vezo noch größere Fische ins Netz. Dass die internationale, industrielle Überfischung im Kanal von Mosambik ein großes Problem ist, steht außer Frage. Sie zwingt die Fischer zu immer längeren Fahrten immer weiter hinaus in die zum Teil gefährlich wilden Gewässer des Kanals von Mosambik. Immer öfter verlassen sie den von Riffen geschützten Küstenbereich, um etwa Haie zu jagen, Seegurken zu fischen oder auch einmal eine Gruppe Delfine zu stellen, in einer Bucht zusammenzutreiben und zu erschlagen – für den chinesischen Markt. Längst ist der globalisierte Kapitalismus im Reich der Vezo angekommen. Die jungen unter ihnen suchen vermehrt nach anderen Einnahmequellen und werden sesshaft. In Morondava etwa bilden die Vezo inzwischen den Hauptteil der Einwohner.

A group of women is responsible for sorting the fish by size. Some of them have a striking yellow paste as a kind of skin care as well as for sun protection in their faces, just like masks. During the day, the paste will dry and fall off in splinters, leaving a baffling mosaic of a face, a piece of art. Today it is only few and small fish in their hands. So, the boys fold the nets, which are stored in the pirogues. Then they sell the catch and split the money. A lot of Vezo people have turned their backs to the old way of living, to the way of their ancestors. Nowadays they have different jobs, some of them as tourist guides or tour operators, others are pulling „Pousse-Pousse“(rickshaws) or producing and selling handicraft. And those, who stick to the semi-nomadic life, do more and more transport along a coast without any ports.

Eine Gruppe von Frauen ist schließlich zuständig für das Sortieren des Fangs nach Größe. Einige von ihnen tragen eine auffällige gelbe Maske im Gesicht, eine pflanzliche Paste, die zur Hautreinigung und als Sonnenschutz aufgetragen wird. Sie wird im Laufe des Tages trocknen und nach und nach abblättern, was die Gesichter wie kunstvolle Mosaiken wirken lässt. Nur wenige, kleine Fische gehen an diesem Morgen durch die Hände der Frauen. Die Netze werden zusammengelegt und für den nächsten Einsatz in den Pirogen verstaut, der Fang der Familien wird gemeinschaftlich verkauft, der schmale Gewinn schließlich geteilt. Viele haben sich in den vergangenen Jahren vom Lebensstil ihrer Vorfahren verabschiedet und gehen anderen Berufen nach. Manche betätigen sich als Guides im Tourismus, andere ziehen in den Städten die „Pousse-Pousse“, die Rikschas, und wieder andere verkaufen Kunsthandwerk. Wer dem halbnomadischen Leben auf dem Meer nicht entsagen möchte, verlegt sich mehr und mehr auf Frachttransporte entlang einer Küste, an der es so gut wie keine Häfen gibt.

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